Der GospelChor Saarbrücken









chrismon plus rheinland 03/2010, Seiten 38f


Die Musik geht direkt ins Herz

Text: Silvia Buss, Fotos: Andre Zelck

Otto-1 Wenn Wilhelm Otto Deutsch vor seinen Gospelchor tritt, geschieht mit ihm eine seltsame Verwandlung. Der besonnene Theologe scheint auf einmal unter Strom zu stehen, einem Magier gleich greift er mit den Händen blitzschnell nach unsichtbaren Kugeln in der Luft. Gospels zu dirigieren sei schon etwas ganz anderes als Bachkantaten, sagt der studierte Kirchenmusiker schmunzelnd. In Saarbrücken-Klarenthal leitet der Pfarrer im Ruhestand den größten Gospelchor des Saarlands.

Für die verblüffenden Handbewegungen hat er eine einfache Erklärung: "Da meine Chormitglieder sich im Rhythmus der Musik bewegen, können sie in aller Regel auch den Takt halten. Deshalb habe ich die Hände frei und brauche bloß musikalische Impulse zu geben", sagt Deutsch. Eine glatte Untertreibung. "Bei einem Konzert bin ich so bei der Sache, dass ich danach high bin durch das Adrenalin, das freigesetzt wird", erzählt der 66-Jährige später. "Am nächsten Tag habe ich Muskelkater."

Otto-2 Der gebürtige Bielefelder kam während seines Theologiestudiums in den USA in schwarzen Gemeinden mit Spirituals und Gospels in Berührung. Eine zweite Traditionslinie des Gospel lernte er Jahre später in Swaziland kennen. In der afrikanischen Kirchengemeinde, in der er ehrenamtlich mitarbeitete, sangen die Mitglieder die Lieder als Zeichen des Widerstands gegen das damals noch bestehende Apartheidregime. Deutsch übernahm die Leitung des Chors, wenn der einheimische Pfarrer verhindert war. Und er begann, die Gospellieder sys-tematisch zu sammeln und in Noten aufzuschreiben. "Diese Gospeltradition, die die Freiheit und Befreiung der Menschen zum Ziel hat, möchte ich fortsetzen und für die Menschen in Deutschland erlebbar machen", sagt Deutsch.

Otto-3 Wenig anfangen kann er hingegen mit Liedern, die eine "Frömmigkeit der individuellen Beziehung der Seele zu Jesus feiern". Seine Wirkung entfalte der Gospel vor allem durch die Musik, sagt er, weniger durch die Texte - und schon gar nicht durch deutsche Texte. "Dann fangen die Zuhörer an, mitzudenken". Die Musik hingegen, für Deutsch "das Echo Gottes", gehe direkt ins Herz.

Mit 25 Sängerinnen und Sängern fing der Gospelchor Saarbrücken 1986 an. Damals bat Deutsch den Kirchenchor seiner Gemeinde, zur Taufe seines jüngsten Sohnes einen Gospel einzustudieren. "Das kam so gut an, dass mich Mitglieder fragten, ob man das nicht öfter machen könne". Heute hat der Gospelchor um die 100 Mitglieder, die aus der Region zur wöchentlichen Probe nach Saarbrücken kommen.

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